„Und plötzlich war es, als würde dir der Boden unter den Füßen weggezogen“ berichtet unser Gast Dominik. „Das Wasser schwappte aus dem Pool in der 11. Etage des Hotels, die Alarmsirene im Hotel ging an und alle rannten die Treppen runter und nach draußen“. Unser Kollege Yo war gerade am Flughafen Suvarnabhumi und wartet in der Aussichtsetage, als alles zu Wackeln bekam. Er hatte so etwas noch nie erlebt und war entsprechend geschockt. Was passiert jetzt gerade? Das Ganze dauerte etwa eine halbe Minute. Ich selbst habe vom Erdbeben gar nichts mitbekommen da ich gerade, im Rahmen eines Workshops den ich besuche, in einem Tourbus auf dem Weg zu einem Museum unterwegs war. Wir passierten das neue Shoppingcenter „One Bangkok“ und wunderten uns, warum so viele Leute auf der Straße waren.
Kurze Zeit später tickerten die Meldungen vom Erdbeben über die sozialen Medien und Newskanäle. Und gleich darauf auch die ersten Videos von einem im Bau befindlichen Gebäude, das unter der Wucht der Erschütterungen kollabierte und einstürzte.
Die Hochhäuser mussten alle geräumt werden. Es gibt entsprechende Notfallpläne. Skytrain, Monorail und Metro stellten den Betrieb ein. Und die Highways wurden ebenfalls gesperrt. Die Behörden hatten Angst vor einem Nachbeben und man wollte sehen, ob es irgendwelche strukturellen Schäden gab. Aber jetzt begann das eigentliche Chaos. Denn der Verkehr kam mehr oder weniger fast ganz zum Erliegen. Nichts ging mehr. Überall nur noch Staus. Und man bekam auch keine Taxis mehr.
In der Zwischenzeit hatte ich zusammen mit den anderen Workshop-Teilnehmern das Kunawong House Museum am Stadtrand erreicht. Fahrzeit hin nicht ganz eine Stunde. Fahrzeit später dann zurück in die Stadt fast 4 Stunden da überall extremer Stau.
Unser Kollege Yo hatte in der Zwischenzeit unsere Gäste am Flughafen in Empfang genommen und war auf dem Weg zum Millenium Hilton Hotel. Auch er war extrem lange unterwegs und hat das Hotel schließen nach gut 3 Stunden erreicht. Letztlich war es aber gut, dass die Fahrt heute länger dauerte denn inzwischen war das Millenium Hilton Hotel wieder frei gegeben worden.
Die meisten Büroangestellten und Hotelgäste mussten nämlich den Nachmittag im Freien verbringen da die Behörden eine Inspektion aller Hochhäuser auf Schäden anordneten, bevor sie wieder zum Betreten freigegeben wurden.
Das gestrige Beben war das stärkste seit 95 Jahren in Thailand
Das gestrige war das stärkste Beben in Thailand seit 1930, sagte Phichit Sombatmak, Generaldirektor des Ministeriums für Bodenschätze.
Das Beben wurde erstmals um 13.20 Uhr mit einer Stärke von 7,7 in einer Tiefe von etwa 10 km gemessen. Es wurde durch die Bewegung der Sagaing-Verwerfung in Mandalay, etwa 16 km von der Stadt Sagaing und etwa 1.100 km von Bangkok entfernt, verursacht.
Dem Beben folgte 12 Minuten später ein Nachbeben der Stärke 6,4. Die starken Erschütterungen waren in den nördlichen, nordöstlichen, östlichen und zentralen Regionen Thailands, einschließlich Bangkok, zu spüren, sagte er.
Heute in Bangkok - zurück zur Normalität
Wie so oft wirken die Berichte in den Medien viel schlimmer, als tatsächlich ist. Vor allem in Vergleich zu den Meldungen aus Myanmar ist in Bangkok nicht wirklich viel passiert. Alles in allem kann man heute sagen, das der Schock größer war als das tatsächliche Ereignis. Die Menschen wurden von den Erschütterungen überrascht und hatten bis gestern keinerlei direkte Erfahrungen mit Erdbeben. Bangkok liegt nicht in einer Erdbeben gefährdeten Region. In der Stadt selbst gab es weder Tote noch Verletzte. Es gab auch keine nennenswerten strukturellen Schäden an den Gebäuden, den Highways und Hochstraßen oder Hochbahnlinien. Risse im Verputz, heruntergefallene Fliesen und ähnliche kleinere Schäden wurden jedoch von einzelnen Gebäuden berichte.
Traurig und beklagenswert ist natürlich der Einsturz des im Bau befindlichen Wolkenkratzer beim Chatuchak Markt. Dort sind bis jetzt 8 Todesopfer unter den Bauarbeitern zu beklagen.
Rund 100 weitere Personen werden noch vermisst und sind vermutlich unter den Trümmern des im Bau befindlichen eingestürzten 30-stöckigen Regierungsgebäudes im Stadtteil Chatuchak verschüttet, sagte Innenminister Anutin nach einem Besuch vor Ort. Etwa 12 Arbeiter wurden bisher gerettet und in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht.
Und Yo?
Unser Kollege hat gestern Abend dann leider kein Taxi oder Grab bekommen und da Skytrain und Metro ebenfalls nicht fuhren ist er zu Fuß nach Hause gegangen, war dann mehrere Stunden unterwegs und hat dann zu guter Letzt noch den Bus 519 bis zu seinem Zuhause nehmen können.
Die Buslinien waren nicht eingestallt. Aber wegen des Mega-Staus ging auch hier lange Zeit nichts.
Der Blick heute morgen zum Sonnenaufgang aus meinem Zimmer im Dusit Thani Hotel in Bangkok. Dieses Hotel wurde erst im September letzten Jahres als Nachfolger des legendären alten Dusit Thani Hotels als Neubau eröffnet. Im diesem Hotel gab es keinerlei Schäden, wie uns der Hoteldirektor Adrian Rudin heute morgen auf unserem Workshop berichtete. Wie die allermeisten neuen Gebäude ist es erbebensicher erbaut worden.
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